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Plötzlich Pflegefall: 10-Schritte-Checkliste für die ersten 14 Tage

Sturz, Schlaganfall, Krankenhaus-Entlassung — plötzlich ist alles anders. Diese Checkliste rettet Sie durch die ersten Wochen.

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Eine SMS — und nichts ist mehr wie vorher

Der Anruf aus dem Krankenhaus, der Sturz der Mutter, der Schlaganfall des Vaters. 80 % aller Pflegefälle entstehen plötzlich — und die Familie hat ~2 Wochen Zeit, sich zu organisieren, bevor das Chaos beginnt.

Diese Checkliste führt Sie strukturiert durch die wichtigsten Schritte.

Tag 1-2: Sofort handeln

Schritt 1: Pflegekasse anrufen

Schon am ersten Tag: Pflegekasse des Pflegebedürftigen (= Krankenkasse) anrufen. Sagen Sie: „Ich möchte einen Pflegegrad-Antrag stellen."

➡️ Pflegegrad gilt rückwirkend zum Antragsmonat — jeder Tag Verzögerung kostet bares Geld.

Schritt 2: Vorsorgevollmacht prüfen

  • Hat die Person eine Vorsorgevollmacht? → Im Notfall-Ordner suchen, ggf. im Zentralen Vorsorgeregister anfragen.
  • Ohne Vollmacht: Auch Ehegatten und Kinder dürfen NICHT entscheiden (Ausnahme: Notvertretungsrecht des Ehegatten gem. § 1358 BGB für 6 Monate, nur medizinisch).
  • Im Zweifel: Beim Betreuungsgericht „Eilbetreuung" beantragen.

Schritt 3: Krankenhaus-Sozialdienst kontaktieren

Jedes Krankenhaus hat einen Sozialdienst. Er hilft mit:

  • Reha-Antrag (AHB) bei Rentenversicherung
  • Kurzzeitpflege-Vermittlung
  • Hilfsmittel-Versorgung
  • Übergangspflege organisieren

Tipp: Direkt am ersten Krankenhaus-Tag dort anrufen — Sozialdienst-Termine sind oft erst Tage später frei.

Tag 3-7: Den Rahmen schaffen

Schritt 4: Pflegedienst aussuchen

Recherchieren Sie mindestens 3 Pflegedienste in der Wohnumgebung. Wichtige Kriterien:

  • Erreichbarkeit (Distanz zur Wohnung)
  • Mitarbeiter-Stabilität (Personalwechsel?)
  • 24/7-Hotline?
  • Auf der Webseite: Qualitätsbericht der MDK-Prüfung
  • Erstgespräch immer kostenlos

Schritt 5: Hilfsmittel-Check

Was wird sofort gebraucht?

  • Pflegebett (Pflegekasse zahlt) — über Sanitätshaus mit Rezept
  • Rollator/Gehstock (Krankenkasse zahlt)
  • Toilettensitzerhöhung (Pflegekasse)
  • Haltegriffe Bad (Pflegekasse zahlt im Rahmen „Wohnumfeldverbesserung")
  • Hausnotruf (ab PG 1 von Pflegekasse bezahlt)
  • Pflegebox (42 EUR Pflegehilfsmittel/Monat) — bestellen, kommt 2 Tage später

Schritt 6: Pflegekurs anmelden

Kostenloser Pflegekurs nach § 45 SGB XI bei der Pflegekasse buchen. Inhalte: Lagern, Mobilisieren, Hygiene, Wundpflege, Demenz-Umgang. Auch online verfügbar.

Tag 8-14: Finanzen ordnen

Schritt 7: Konten und Verträge regeln

Mit (oder im Auftrag der) pflegebedürftigen Person:

  • Bankvollmacht für mindestens 1 Angehörigen ausstellen
  • Daueraufträge prüfen (Vereinsbeiträge, Abos)
  • Pflegeperson bei der Pflegekasse melden — sichert kostenlose Rentenversicherung für Pflegende

Schritt 8: Lohnersatz prüfen

Sind Sie selbst berufstätig? Mögliche Optionen:

  • 10 Tage Pflegeunterstützungsgeld sofort beantragbar (90 % Nettolohn, max. 135,63 EUR/Tag 2026)
  • Pflegezeit (bis 6 Monate Auszeit, zinsloses Darlehen)
  • Familienpflegezeit (bis 24 Monate Teilzeit)

➡️ Antrag spätestens 10 Tage vor Beginn beim Arbeitgeber.

Schritt 9: Wohnung anpassen

Bevor die pflegebedürftige Person nach Hause kommt:

  • Stolperfallen entfernen (Teppiche, Kabel)
  • Beleuchtung mit Bewegungsmeldern
  • Bad bereit machen (Haltegriffe, Duschsitz)
  • Schlafplatz festlegen (ggf. Pflegebett aufstellen)
  • Notrufnummern groß sichtbar

Schritt 10: Pflegetagebuch starten

Ab Tag 1 dokumentieren:

  • Welche Hilfe wird wann gebraucht?
  • Wie lange dauern Tätigkeiten?
  • Welche Probleme treten auf?

➡️ Diese Daten brauchen Sie bei der MD-Begutachtung in 4-8 Wochen.

Bonus: Diese Anrufe MUSS jeder Pflegender geführt haben

Innerhalb der ersten Woche:

  • ☎️ Pflegekasse — Pflegegrad-Antrag stellen
  • ☎️ Pflegestützpunkt — Termin für kostenlose Pflegeberatung
  • ☎️ Rentenversicherung — wegen AHB / Pflegezeit-Auswirkungen
  • ☎️ Steuerberater — Pflegepauschbetrag, außergewöhnliche Belastungen
  • ☎️ Versorgungsamt — Schwerbehindertenausweis prüfen

Häufige Fehler — vermeiden Sie diese

Zu lange warten mit dem Pflegegrad-Antrag → verlieren Geld

Erstes Angebot Pflegedienst unterschreiben → vergleichen!

Hilfsmittel privat kaufen → Pflegekasse zahlt, wenn vorher beantragt

Sich selbst überfordern → Burnout des Pflegenden in 6-12 Monaten

Beratung ablehnen → § 7a-Beratung ist umsonst und Gold wert

Hilfreich: Kostenlose Apps & Tools

  • PflegePilot — Pflegegrad-Check, Budget-Übersicht, Erinnerungen
  • Pflegekurse online bei großen Krankenkassen (TK, AOK, Barmer)
  • Notfallpass (Bundesregierung) — wichtige Daten gebündelt

Wann zum Anwalt?

Sehr selten am Anfang nötig. Erst wenn:

  • Pflegegrad abgelehnt + Widerspruch erfolglos
  • Streit mit Pflegeheim über Eigenanteile
  • Auseinandersetzungen zwischen Erben/Geschwistern

Eine ruhige Wahrheit zum Schluss

Pflege ist Marathon, nicht Sprint. Verlieren Sie sich nicht in den ersten Tagen — die Routine kommt nach 6-12 Wochen. Wichtig ist nur, dass die Grundpfeiler stehen: Pflegegrad, Pflegedienst, Hilfsmittel, Vollmachten. Den Rest können Sie nach und nach optimieren.

➡️ PflegePilot hilft Schritt für Schritt — kostenlos und ohne Registrierung.

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