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Sturzprophylaxe: 14 Maßnahmen, die in 1 Tag umsetzbar sind

Jeder 3. Senior über 65 stürzt einmal im Jahr. Mit der richtigen Wohnung sinkt das Risiko um 50%.

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Stürze — das unterschätzte Pflegethema

Jeder Dritte über 65 stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei Pflegebedürftigen sind es fast 50 %. Konsequenzen:

  • Oberschenkelhalsbruch → 5-10 % der Senioren versterben innerhalb eines Jahres danach
  • Krankenhausaufenthalt → oft Pflegegrad-Erhöhung
  • Verlust der Selbstständigkeit → Heimeinweisung

Aber: Mit der richtigen Wohnumgebung sinkt das Sturzrisiko um die Hälfte.

14 Maßnahmen — von kostenlos bis Wohnumbau

Sofort kostenlos umsetzbar

1. Stolperfallen entfernen

Lose Teppiche, hochstehende Teppichkanten, lose Kabel, Türschwellen markieren oder entfernen.

2. Mehr Licht

Mindestens 300 Lux im Flur und Bad. LED-Lampen mit hoher Lumen-Zahl. Schalter auf Höhe 90-110 cm (nicht ganz unten).

3. Bewegungsmelder im Flur und Bad

20-30 EUR. Senior muss nicht im Dunkeln zum Lichtschalter tasten.

4. Brille überprüfen

Mindestens jährlich Sehkraft testen. Gleitsichtbrillen sind oft Sturzfalle auf Treppen — extra Lese- und Fernbrille tragen.

5. Schuhe statt Pantoffeln

Geschlossene Hausschuhe mit rutschfester Sohle. Keine Schlappen mit losem Fersenbereich.

Hilfsmittel mit Pflegekassen-Zuschuss

6. Haltegriffe im Bad

Neben WC, Dusche, Waschbecken. Set 4-6 Griffe: 80-150 EUR. Wird über Pflegekassen-Zuschuss „Wohnumfeldverbesserung" (bis 4.180 EUR) übernommen.

7. Bodenebene Dusche / Duschsitz

Wer noch eine Wanne hat: Wannenlift oder Wannensitz (~200 EUR), Pflegekasse zahlt. Komplettumbau zur barrierefreien Dusche → Pflegekasse zahlt bis 4.180 EUR (zusätzliche Zuschüsse vom Land KfW 455).

8. Aufstehhilfe (Toilettensitzerhöhung)

30-80 EUR. Verhindert Stürze beim Hochkommen vom WC.

9. Treppen sichern

Antirutsch-Streifen auf jeder Stufe (5 EUR pro Stufe). Beidseitige Handläufe. Bei mehreren Stockwerken: Treppenlift (3.000-12.000 EUR, Pflegekasse + KfW + Landesförderung).

Pflegehilfsmittel der Pflegekasse

10. Hausnotruf

24/7 Notruf per Knopfdruck, 30 EUR/Monat. Komplett von Pflegekasse übernommen (ab PG 1, bei medizinischer Notwendigkeit).

11. Pflegebett mit Aufstehhilfe

Elektrisch verstellbar, Bettgalgen, halbhohe Bettgitter. Pflegekasse übernimmt 100 %. Verleih über Sanitätshäuser.

12. Rollator

Krankenkasse (nicht Pflegekasse) zahlt komplett. Rezept vom Hausarzt, Anbieter findet das passende Modell.

Verhaltens- und Trainings-Maßnahmen

13. Sturz-Präventionskurs

Kostenlos für Pflegegrad-Inhaber über Pflegekurse § 45 SGB XI. Krankenkassen bieten oft kostenlose Bewegungs- und Gleichgewichtstrainings.

14. Medikamenten-Check

Viele Stürze entstehen durch Schwindel als Medikamenten-Nebenwirkung. Lassen Sie alle Medikamente vom Hausarzt oder Apotheker auf Sturzrisiko prüfen — besonders Blutdruck-, Schlaf- und Antidepressiva-Mittel.

Kostenübernahme im Überblick

| Maßnahme | Kostenträger | Maximal |

|----------|--------------|---------|

| Wohnumfeldverbesserung | Pflegekasse | 4.180 EUR pro Maßnahme |

| Pflegehilfsmittel zum Verbrauch | Pflegekasse | 42 EUR/Monat |

| Technische Hilfsmittel (Bett, Lift) | Pflegekasse | Kostenübernahme komplett |

| Rollator, Gehstock | Krankenkasse | mit Rezept kostenfrei |

| Hausnotruf | Pflegekasse | 25,50 EUR/Monat |

| KfW 455 (Altersgerecht Umbauen) | KfW-Bank | 6.250 EUR pro Wohneinheit |

Checkliste vor dem Umbau

  1. Pflegegrad prüfen (PflegePilot)
  2. Antrag „Wohnumfeldverbesserung" bei der Pflegekasse
  3. Kostenvoranschlag vom Handwerker einreichen
  4. Erst nach Genehmigung mit dem Umbau beginnen — sonst kein Anspruch
  5. Bei größeren Maßnahmen zusätzlich KfW 455 prüfen

Rechtsgrundlagen

  • § 40 Abs. 4 SGB XI (Wohnumfeldverbesserung)
  • § 45a SGB XI (Pflegekurse)
  • KfW-Programm 455-B

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PflegePilot ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.